Die “verflixte” letzte Meile

Ansätze für eine verkehrs- und umweltfreundliche Paketzustellung der Last Mile Delivery (Teil 2)

Der Internethandel boomt. Nach dem rasanten Wachstum des E-Commerce scheint der Online Handel jedoch nun an seine logistischen Grenzen zu kommen. So haben Paketdienstleister wie DHL, UPS oder Hermes nicht nur massiv Personal und Lieferfahrzeuge aufgestockt, sondern auch großen Einfluss auf den zunehmenden Verkehr in den Innenstädten. Die damit verbundenen Emissionen stellen ein großes Risiko für Mensch und Umwelt dar. Um das einzugrenzen, entwickeln Paketdienstleister neben kreativen Lösungen für eine effizientere Auslieferung auch innovative Ansätze für eine verkehrs- und zugleich umweltfreundliche Paketzustellung. In Teil 2 der “verflixten” letzten Meile stellen wir einige vor.

Lastenfahrräder und Straßenbahnen – Paketzustellung ganz ohne Emissionen

In Großstädten sieht man sie immer häufiger: die gern von Familien genutzten Bollerwagen fürs Fahrrad. Am vorderen Teil des Fahrrades angebracht, lassen sich damit mehrere Kinder transportieren. Da diese Fahrräder ihrem Namen getreu wortwörtlich Lasten fortbewegen können, liegt die Idee nahe, die Lastenräder auch bei der Paketzustellung zu verwenden. In Rostock wurde deshalb ein Pilotprojekt gestartet, bei dem Hermes die Zustellung mit einem Lastenrad testet. Diese Transportmittel sind für eine Zuladung von bis zu 200 kg ausgelegt, somit können durchschnittlich 110 Sendungen pro Tour transportiert werden. Zu Beginn des Jahres 2019 ist der Einsatz des Lastenrades im Ortsteil Evershagen geplant und soll künftig ein komplettes Lieferfahrzeug ersetzen. Bis zum Jahr 2025 hat sich Hermes das Ziel gesetzt, die Paketzustellung in den 80 größten Städten Deutschlands emissionsfrei zu gestalten.

Auch die Online-Shops selbst sehen viele Vorteile in den Lastenfahrrädern. So testet aktuell in Berlin Zalando gemeinsam mit Citkar die flexible Zustellung per E-Bike. Die Fahrräder sind – so die Theorie – im Vergleich zu Transportern schneller unterwegs, da sie durch die Radwege weniger vom Stadtverkehr abhängig sind. Ob sich dieser Ansatz auch in der Praxis bewährt, zeigt sich in naher Zukunft.

Abgase lassen sich auch mit Straßenbahnen einsparen, die bereits ins Stadtbild integriert sind. In diesem Zusammenhang startete jüngst die Frankfurter Verkehrsgesellschaft das Pilotprojekt “Logistiktram”. Hier bringt eine spezielle Straßenbahn die Pakete zu speziellen Depots. Von dort aus werden sie von Kurieren mit E-Bikes ausgeliefert. Im Herbst 2018 ist ein größerer Probebetrieb des Projektes in Frankfurt geplant.

Elektroautos und autonome Lieferwagen

Für die umweltfreundliche Paketzustellung setzt man zunehmend auf Strom. Neben E-Bikes und E-Transportern treten in diesem Zusammenhang vermehrt Hybrid-Lösungen auf, die nicht nur emissionsfrei sind, sondern auch sehr kostensparend. Beispielhaft dafür ist ProCargo CQ1 von Sortimo, das die Lücke zwischen Lastenfahrrad und Mini-Van schließen soll. Vorteilhaft ist daran, dass die Fahrzeuge keine Plakette benötigen und auch nicht der KFZ-Steuer unterliegen. 

Die Idee, die letzte Meile mit Elektromotoren zu bewältigen, findet sogar noch eine Steigerung: Rein elektrische, hochautomatisierte Lieferwagen ohne Fahrer. Bei Renault gibt es mit dem EZ-Pro bereits die liebevoll benannten Robo Pods. Im ersten Wagen, dem “Leader Pod”, sitzt hier allerdings doch noch ein Fahrer oder besser gesagt, ein “Operator”, der entweder den Verkehr überwacht oder im Büro organisatorischen Aufgaben erledigt. Dem ersten Fahrzeug können mehrere “Follower Pods” folgen, die tatsächlich ohne Fahrer unterwegs sind. Diese “Follower Pods” können sich sogar während der Auslieferung abkoppeln und alleine zum Empfänger fahren. Dieser entnimmt sein Paket per Code aus der App. Der Service funktioniert jedoch nur solange, wie der Kunde direkt zu dem Zeitpunkt der Zustellung anwesend ist. Das altbewährte Problem mit der flexiblen Zustellung bleibt mit den Zustellrobotern allerdings weiter bestehen.

Heute kommt mein Paket geflogen – Zustellung mit Drohnen

Was für eine Vorstellung: Man wartet sehnsüchtig auf die Bestellung aus dem Online Shop und dann, in der Ferne, sieht man am Himmel einen Flugkörper immer näher auf sich zukommen. Das leise Summen der Propeller wird stärker. Die Drohne landet, koppelt das Paket ab und fliegt wieder weiter. Was ist, wenn man gerade nicht zu Hause ist? Erste Modelle für smarte Paketboxen etablieren sich auf dem Markt. Sie sind heiz- und kühlbar, wodurch Medizin und Lebensmittel problemlos in ihnen gelagert werden können. Und hier liegt auch der Vorteil der Drohnen. Für große und schwere Pakete sind sie eher ungeeignet, aber kleine, wichtige Dinge wie Medizin können mit den Paket-Drohnen in unwegsame und bergige Gebiete geliefert werden. Die Vorstellung, dass jede Online-Shop-Bestellung per Drohne angeflogen kommt, bleibt wohl eher Traum.

Lieferroboter als helfende Mitläufer

In vielen Branchen herrscht heutzutage die leise Angst, dass immer mehr Arbeitskräfte durch Maschinen und Roboter ersetzt werden. Könnte das auch die Paketboten treffen? Panik ist wohl eher nicht angebracht. Der Zustellungsroboter PostBot von DHL beispielsweise ist zur Unterstützung der Postboten gedacht und kann neben dem laufenden Postboten her fahren. Durch sein großes Fassungsvolumen kann er schwere Pakete direkt bis zur Haustür transportieren und die Paketboten müssen diese nicht mehr so weit tragen.

Zwischenfazit: 

Neben der Steigerung von Effizienz und Service-Qualität gewinnt der Schutz von Mensch und Umwelt auch im Bereich Post & Logistik zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund entstehen zahlreiche neue Ansätze, die eine verkehrs- und umweltfreundliche Paketzustellung anstreben. Welche Entwicklungen sich durchsetzen werden, wird die Zukunft zeigen. Ein entscheidender Punkt wird die Zustellqualität sein. Wie decken sich aktuelle technologische und infrastrukturelle Entwicklungen mit den Erwartungen der Verbraucher? Was ist Empfängern in der Paketzustellung wichtig, Preis, Service, Geschwindigkeit, …? Seid gespannt auf Teil 3.

 

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