Die “verflixte” letzte Meile

Wie der E-Commerce Hype kreative Lösungen für die Logistik der letzten Meile befeuert (Teil 1)

Unsere Gesellschaft ist geprägt von Beschleunigung. Der Online-Handel wächst rasant, ein Ende des E-Commerce Booms ist nicht abzusehen. Hohe Erwartungen der Empfänger und zunehmender innerstädtischer Verkehr fordern die Logistik der Paketdienstleister besonders auf der sogenannten letzten Meile heraus und bringen viele kreative Ideen auf den Markt.

Derzeit liefern viele verschiedene Zustell-Unternehmen wie DHL, UPS, Hermes, DPD und GLS täglich in Deutschland Pakete aus. Die Bestellungen in Online-Shops explodieren. Gerade das Weihnachtsgeschäft sprengt die Anzahl der Pakete und bringt DHL dazu, in der Stoßzeit höhere Preise auszuhandeln. Auch Hermes wird in diesem Jahr erstmals eine Peak-Zulage in den Monaten November und Dezember für Sendungen von geschäftlichen Auftraggebern verlangen (Paketdienst: Hermes verlangt Aufschlag vor Weihnachten). Ab Januar will die Post die Paketpreise für Geschäftskunden generell erhöhen. Großkunden könnten deshalb eigene Wege gehen. Amazon macht es in den USA bereits vor und hat kürzlich von Daimler 20.000 Mercedes-Benz Transporter erworben, um eine eigene Liefer-Flotte für Nordamerika aufzubauen. Über das Delivery Service Partner Program von Amazon können Kleinunternehmen die Transporter mieten. Der Online-Versandhändler spart sich damit die Kosten, die er bisher für die Priorisierung der eigenen Pakete bei den anderen Postdienstleistern ausgegeben hat. Zudem sorgen die Transporter mit dem Amazon-Logo für mehr Sichtbarkeit und mehr Kundennähe. Auch in ein paar deutschen Großstädten gibt es mit “Amazon Logistics” schon das Modell der eigenen Auslieferung. Stellt dies eine Bedrohung für die deutschen Paketdienste dar?

Zudem stellen die hohen Erwartungen der Empfänger eine Herausforderung für die Paketzustellung dar. Wer genießt nicht gern den Luxus, sein heute bestelltes Produkt spätestens morgen geliefert zu bekommen, natürlich ohne Zustellgebühr? Zudem sollen sich die Lieferzeiten möglichst gut an den eigenen Tagesablauf anpassen. Das Abholen an der nächsten Poststelle ist den meisten zu umständlich; die Zahl der Nachbarn, die gewillt sind Pakete entgegenzunehmen, wird immer geringer.

Derzeit werden viele neue Lösungen und innovative Ideen für die Last Mile Delivery entwickelt, die Schnelligkeit, Kosteneffizienz und Flexibilität kombinieren sollen. Wir stellen euch in unserem Blogpost einige dieser neuen Trends zur Auslieferung von Paketen vor.

Paketlieferungen in den Kofferraum

Warum nicht einfach den Kofferraum als Ablageort für die Pakete nutzen? Das haben sich einige Autohersteller bereits gefragt und bieten eine Lieferung in den Kofferraum an. Wie das Ganze funktioniert?

Der Zusteller ortet das Auto per GPS und kann über einen digitalen Schlüssel den Kofferraum öffnen und wieder schließen. Der Empfänger hat zuvor einen Zustellzeitraum und eine Lieferadresse mit festgelegtem Umkreis angegeben. Somit soll es möglich werden, während der Arbeitszeit Pakete geliefert zu bekommen, ohne sie persönlich annehmen zu müssen. Das Paket liegt nach der Arbeit einfach im Auto und kann mit nach Hause genommen werden. Ziemlich praktisch oder was meint ihr?

Die bisher bei Smart (“ready to drop”) und Volvo (“In-car Delivery”) eingeführte und für VW (“We deliver”) geplante Technologie hat aber auch ihre Schwächen. Wenn die Parkplatzsuche in der Innenstadt mal wieder nicht zufriedenstellend ausfällt und das Auto nicht im angegeben Liefergebiet abgestellt wird, kann der Zusteller es nicht orten und das Paket wird ganz normal an eine Paketstation geliefert. Außerdem gibt es bisher nur wenige Online-Shops, die den Kofferraum überhaupt als Lieferoption anbieten. Schlussendlich ist auch das Potential für Hackerangriffe nicht zu unterschätzen.

Zustellung direkt in die Wohnung, auch wenn keiner da ist

Wenn schon die Vorstellung, dass ein Fremder den Kofferraum des eigenen Autos öffnen kann, etwas unheimlich ist, gibt es mittlerweile die Möglichkeit, sich trotz Abwesenheit Pakete in die Wohnung liefern zu lassen. Mit dem Amazon Key Home Kit kann man immerhin den Empfänger bei der Zustellung über die App auf dem Smartphone beobachten. Würdet Ihr dem Postboten Zugang zu Eurer Wohnung gewähren?

Paketboxen am Haus und öffentliche Sammelstellen

Ein deutlich sichereres Gefühl gibt einem die Möglichkeit, eine Paketbox im Vorgarten aufzustellen oder am Haus anzubringen. Diese kann der Zusteller über einen Code öffnen und die Pakete darin ablegen, wenn der Empfänger nicht anwesend ist. Mit einem Anschaffungspreis von 200 Euro aufwärts und einer Beschränkung auf DHL-Pakete konnte sich das Modell noch nicht flächendeckend ausbreiten. Mit ParcelLock gibt es mittlerweile aber auch Paketstationen für Privatpersonen, die von mehreren Lieferunternehmen unterstützt werden. Mehrfamilienhäuser können sich eine große Box aufteilen und gemeinsam nutzen. Der Briefkasten für Pakete verspricht eine unkomplizierte und flexible Zustellung und scheint damit sehr zukunftsfähig. Die Größe der Box ist dennoch begrenzt, was bei sperrigen Paketen zu Problemen führen könnte.

Heutzutage schon weit verbreitet sind Packstationen an oder in Supermärkten und an öffentlichen Orten, an denen man im Alltag häufiger vorbeikommt. Über 3.400 Packstationen gibt es von DHL. Amazon geht auch hier eigene Wege und stellt mehr und mehr Amazon Locker auf. Mit 1.300 Packstationen europaweit scheint das Ganze aber noch ausbaufähig.

Zwischenfazit

Die Zustellung auf der letzten Meile bringt viele neue, kreative Ideen hervor. Welche sich schlussendlich durchsetzen werden hängt nicht zuletzt von den Erwartungen der Empfänger ab. In Teil 2 der “Verflixten letzten Meile” stellen wir euch einige verkehrs- und umweltfreundliche Ansätze für die Last Mile Delivery vor. 

 

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