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Hat RFID für Post und Logistik noch eine Daseinsberechtigung? 

Ringo Großer

Ringo Großer

08.01.2019

Hat RFID für Post und Logistik noch eine Daseinsberechtigung? 
Ringo Großer

Ringo Großer

08.01.2019

RFID für Post und Logistik

Der Markt für E-Commerce, besonders auch im globalen und grenzüberschreitenden Bereich, wächst immer weiter. Zeitgleich werden die Herausforderungen für die Zustellung auf der letzten Meile immer komplexer. Moderne Trackingsysteme wie Live Tracker gewinnen zunehmend an Bedeutung, da sie vielschichtige globale Logistikprozesse nachverfolgbar und transparent machen und mit dem Versprechen der End-to-End Transparenz der Supply Chain in Echtzeit werben. Es entsteht der Eindruck, dass der Nutzen altbewährter Technologien zusehends verblasst. Und so stellt sich die Frage: Hat eine Technologie wie RFID für Post und Logistik noch eine Daseinsberechtigung?

Spezifische Funktionsweise der RFID-Technologie

Um sich dieser Frage anzunähern, ist eine grundlegende Beschreibung zur Funktionsweise der Technologie notwendig. RFID (engl. radio-frequency identification) verwendet elektromagnetische Felder, um Daten berührungslos in Sender-Empfänger-Systemen zu übermitteln. Die sogenannten Transponder (häufig auch Tags genannt) bestehen im Wesentlichen aus einem Microchip und einer Antenne. Auf dem Microchip werden elektronische Informationen (z.B. Identifikationsnummer oder eindeutiger Produktcode) abgelegt. Mittels Lesegerät lassen sich diese Informationen erfassen und damit Objekte automatisch identifizieren, die mit solchen Transpondern ausgestattet wurden. Im Gegensatz zu Barcodes muss das Lesegerät keinen Sichtkontakt zum Transponder haben, somit kann der Transponder auch in einem Objekt integriert sein.

Passive Transponder können auf kurze Distanzen von wenigen Metern durch elektromagnetische Induktion mit Energie versorgt werden, um dann die auf dem integrierten Mikrochip gespeicherten Daten zu versenden. Für größere Entfernungen bis zu mehreren Hundert Metern kommen aktive Transponder mit eigener Energiequelle (Batterie) zum Einsatz.

Ein RFID System besteht auf der einen Seite aus immobilen oder mobilen Lesegeräten, auf der anderen Seite werden mit dem Lesegerät kompatible und in Größe und Bauform an das Objekt angepasste Transponder eingesetzt. Immobile Lesegeräte werden häufig in der Form eines Durchgangstores konstruiert und damit als Gate bezeichnet. Mobile Lesegeräte weisen üblicherweise die Form von tragbaren Handscannern auf.

Brief mit Transponder beispielhaft für RFID für Post und Logistik

RFID für Post und Logistik: Brief mit RFID-Transponder

Vorteile gegenüber anderen Trackingsystemen

Aufgrund der sehr geringen Größe lassen sich die RFID Tags leicht und flexibel nahezu überall integrieren, auch in Gütern, Waren oder anderen Objekten. Dadurch ergibt sich für die Technologie ein breites Einsatzfeld in sämtlichen Bereichen, Post und Logistik und Healthcare eingeschlossen. Neben der Größe sind es aber auch die geringen Kosten der Transponder, die sie zu einer attraktiven Tracking-Lösung machen.

Zur Erfassung eines Transponders muss kein Sichtkontakt zum Lesegerät und keine bestimmte Ausrichtung bestehen. Außerdem sind größere Lesedistanzen von bis zu mehreren Metern realisierbar. Mit einem Scan lassen sich gleichzeitig mehrere Hundert Transponder erfassen (Pulk-Lesung). Verglichen mit anderen Methoden ergeben sich hierdurch deutliche Zeit- und damit Kostenvorteile, indem man mit RFID effizient eine Vielzahl von Informationen auf einmal erfasst und innerhalb weniger Sekunden über ein Real-Time Performance Management Cockpit auswertet. Zudem sind die Standortinformationen äußerst präzise den einzelnen Gates zuzuordnen.

Bemerkenswert an der RFID Technologie ist die Immunität gegen schädliche optische Einflüsse, wie Abdeckung, Verschmutzung oder Abnutzung. Die elektromagnetischen Wellen durchdringen sogar Holz und Karton. Dies reduziert die Anfälligkeit für Lesefehler und minimiert den Aufwand auf Grund von manueller Nacherfassung. Sogar bei starken Umwelteinflüssen und einer rauen Umgebung reagiert die Technologie zuverlässig.

Schlussendlich sticht die RFID Technologie gegenüber anderen Tracker Systemen durch die Beschreibbarkeit des Microchips im Transponder heraus. So können neben der eindeutigen ID auch zusätzliche Informationen direkt im Transponder gespeichert werden – sogar noch dann, wenn der Transponder und das Objekt sich schon im Prozess befinden. Auf diese Weise lassen sich im Gegensatz zu Live Trackern beispielsweise auch komplexe Informationen transportieren.

Einsatz der RFID Technologie in Handel und Logistik

RFID für Post und Logistik ist bereits seit Jahren etabliert. Einzelartikel, Transportbehältnisse, Paletten oder Container lassen sich mit Transpondern ausstatten und an definierten Messpunkten beim Passieren eines entsprechenden Gates identifizieren, ohne den Warenfluss zu unterbrechen. Zum Einen mit dem Ziel einer effizienten Erfassung von Mengen oder auch Übergabe von umfangreichen Datensätzen (z.B. auf dem Transponder gespeicherte Produktmerkmale). Zum Anderen lassen sich über mehrere Messpunkte hinweg die Produkte oder Produkteinheiten in ihren Prozessen in einem Echtzeit-Cockpit mitverfolgen, um Vollständigkeit und Rechtzeitigkeit festzustellen. Auf diese Weise erhalten Postdienstleister maximale Transparenz an einzelnen Prozesspunkten, was insbesondere an Schnittstellen zwischen zwei Bereichen detaillierte Einblicke ermöglicht. Typische Anwendungsgebiete eröffnen sich für Warenein- und -ausgang, Inventur, Prozessablaufverfolgung und -steuerung, Produktionssteuerung und Kommissionierung.

Fazit

„Was man nicht messen kann, kann man nicht lenken“ Peter F. Drucker

Die beschriebenen Vorteile von RFID sind spezifische Besonderheiten, die andere Trackingsysteme nicht bieten. Somit ist der Einsatz dieser Technologie weiterhin zeitgemäß und entsprechende Lösungen im Bereich Post & Logistik erzielen einen besonderen Mehrwert. Postdienstleister erhalten mit RFID einen detaillierten Blick auf die eigenen Prozesse und damit eine nie da gewesene Transparenz. Richtet man in der Prozesskette entsprechende  Messpunkte an Warenein- und -ausgängen von Sortierzentren, in Hubs und bei Logistikpartnern ein, ergeben sich vorteilhafte Möglichkeiten für die Erhebung einer Vielzahl wichtiger Kennzahlen.