logistics meets start-up in berlin

Logistics meets start up – Wie die Customer Experience den Wandel einer ganzen Branche bestimmt

Der Bundesverband der Kurier-Express-Post-Dienste e.V. (BdKEP) und der Händlerbund e.V. haben gemeinsam am 16.03.2016 in Berlin einen Workshop unter dem Titel: “Logistics meets start up” durchgeführt. Die Plattform diente dem Austausch zwischen traditionellen Kurier-, Express- und Postunternehmen mit Start-Ups im Bereich Logistik.

Bereits die Startpräsentation von SSI Schäfer hat gezeigt, welchen Reifegrad und welche Komplexität die Logistikbranche durch den wachsenden eCommerce Markt heute bereits erreicht hat. Schon SSI Schäfer zeigt, wie sich aus der Idee für eine einfach zu handhabende Metallbox, ein Komplettsystem zur Lagerung, Sortierung und Bereitstellung von Ware entwickelt hat. Aus einem positiven Kundenerlebnis entsteht über viele Jahrzehnte eine vollautomatisierte Lagerlogistik die liefert und liefert und liefert. Wie schnell die Produkte dann allerdings zum Kunden kommen, liegt (noch) in der Verantwortung der KEP Dienste.

Bestimmt durch das Mantra der immer bestmöglichen Customer Experience des weltgrößten Onlinehändlers Amazon, stellen sich heute traditionelle KEP Unternehmen und Start Ups gleichermaßen den Herausforderungen der sich immer weiter digitalisierenden und durch Kundenerwartungen gesteuerten Geschäftswelt.

Es dem Kunden so leicht zu machen wie möglich, bedeutet mehr Geschäft und mehr Umsatz. Doch die “neue” Art des Einkaufens bringt ganz praktische Probleme mit sich – z.B. die Frage, wie schnell und einfach jederzeit beim Kunden zugestellt werden kann, auch wenn dieser nicht zu Hause ist. Dem Thema widmet sich Paketin, ein Start-Up aus Jena. Über die bereits bestehende Verfahrensweise der Abstellgenehmigung, die bei den meisten KEP-Unternehmen bereits heute beantragt werden kann, entwickelt das Start-Up eine für alle Zusteller zugängliche Paketbox. Der Schlüssel ist das Handy des Zustellers, dessen Nr. in einer zentralen Datenbank gespeichert wird. Für KEP-Dienste, wie für den Kunden, eine elegante Variante der Zustellung und eine offene Antwort auf proprietäre Paketboxen-Systeme. Die Box eignet sich zudem nicht nur für die Zustellung, sondern z.B. auch für die Abholung von Retouren.

Dem Thema Retouren und Versand einzelner Stücke widmet sich das Start-Up Packator. Für eine Servicegebühr holt ein Packator-Hero die Ware beim Kunden zu Hause, im Büro oder im Lager ab. Packator kümmert sich um die professionelle Verpackung und den besten Versandweg. Durch den Service spart der Kunde Zeit und Nerven für die Verpackung und den Versand. Zielgruppe sind natürlich auch Onlineshopper, die viel zurückzusenden haben.

Wer regelmäßig, ordentlich online shoppt, braucht irgendwann eine größere Wohnung oder muss die Winterschuhe im Sommer auslagern. Dem Thema nimmt sich Box-at-work aus Berlin an. Für weniger als 4 EUR / Box und Monat lagert das Start-Up mit eigens entwickelten Boxen ein. Der Clou, die Boxen werden kostenlos bis an die Haustür zugestellt, abgeholt und bei Bedarf wieder gebracht. Der Inhalt aller Boxen ist per Foto im Online-Portal gespeichert. So kann der Kunde sich jederzeit einzelne Boxen wieder zukommen lassen. Einlagerung mit Service!

Wer in der Stadt wohnt, weiß, wie oft die Transporter der Lieferdienste links und rechts in den Straßen stehen und wie schwer es in einigen Stadtgebieten für die Zusteller ist, Parkplätze für die korrekte Zustellung zu finden. Hier geht das Start-Up Velogista aus Berlin einen anderen Weg. Mit der Zustellung und Abholung per speziell entwickeltem Logistik-Fahrrad kann ein Zusteller bis zu 250 kg Zuladung transportieren und dabei Radwege nutzen und auf Fußwegen direkt vor dem Haus parken und so schneller und direkter zustellen.

Die Verbindung großer Städte mit schnellen und günstigen Versandprodukten hat sich das Start-Up Sennder zum Inhalt gemacht. Durch die Nutzung vorhandener Infrastruktur hat Sennder ein völlig neues Same-Day Zustellkonzept über die Verbindung lokaler Lieferdienste und des in Deutschland mittlerweile hochfrequenten Fernbussystems entwickelt. Für weniger als 10 EUR können Sendungen in weniger als 12 h versandt werden. Das Konzept basiert auf der Verknüpfung vorhandener Zustellkapazitäten und ist so offen gestaltet, dass in Zukunft auch weitere Infrastrukturen eingebunden werden können.

Verteilte Logistikkonzepte bei denen die Prozesskette auf mehrere Dienstleister aufgeteilt ist, verlangt nach integrierten Software- und Datenkonzepten. Die flexible und dynamische Steuerung von Abhol- und Zustellprozessen hat sich das Start-Up SmartWay aus Bonn zum Ziel gesetzt. Komplexe Optimierungsalgorithmen erlauben eine dynamische Routenoptimierung in Echtzeit – so kann sich der Logistikprozess auf verändernde Gegebenheiten im Tagesablauf einstellen, um Zustellern bessere Informationen und Kunden ein besseres Serviceerlebnis zu bieten.

Was alle Konzepte eint, ist der Grundgedanke, Kunden einen besseren Service zu bieten. Durch mehr Flexibilität, Geschwindigkeit und Komfort soll dem Kunden das Leben leichter und besser gemacht werden, um die bestehenden Schmerzpunkte im Onlinehandel zu beheben und die Customer Experience durch besseren Service einzigartig zu machen.

Vielen Dank an den BdKEP und den Händlerbund für die interessanten Einblicke in die Zukunft der Logistikbranche und diese bisher einzigartige Plattform!


Vernetzen Sie sich mit dem Autor, Niels Delater.

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